Die Geschichte des “O”

Lange Zeit geschah es weitgehend unbemerkt. Aber spätestens seit Zalando in der TV-Werbung zum Schreien vor Glück auffordert,  fällt es nun auch der weniger Web-affinen TV-Zuschauergemeinde auf:  Immer mehr Unternehmen aus der Online-Welt mischen in der TV-Werbung mit. Woche für Woche gewinnen sie an Dominanz in der TV-Werbelandschaft. Aber ist jemanden schon einmal eine andere Dominanz in diesem Zusammenhang aufgefallen? Ich rede von der Dominanz des Buchstaben “O”…

Die Geschichte des "O"

Nun ist das “O” einer von nur 5 Vokalen, insofern ist es natürlich klar, diesen Buchstaben in Marken – bzw. Unternehmensnamen anzutreffen. Aber: Viele Unternehmen räumen dem “o” bewußt eine Rolle ein, die auffällt. Zur Zeit strapazieren viele Web-Unternehmen unsere Differenzierungsfähigkeit aufs Äußerste. Innerhalb weniger Minuten lässt sich eine Liste von Unternehmen erstellen, die dominant ein “oo” im Namen tragen oder auf …”o” enden.  Hier mal Zehn:

1. Google (www.google.de)

2. Zalando  (www.zalando.de)

3. Trivago  (www.trivago.de)

4. Swoodoo  (www.swoodo.de)

5. Opodo (www.opodo.de)

6. Mirapodo (www.mirapodo.de)

7. Yahoo (www.yahoo.de)

8.  Govolo  (www.govolo.de)

9.  Livingo  (www.livingo.de)

10. Doyoo (www.doyoo.de)

 

Wie gesagt, das sind nur auf die Schnelle ein paar Bekannte. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs. Ständig drängen neue Unternehmen auf den Markt , die so ähnlich heißen.Wie soll man die noch auseinanderhalten?

OK, es gibt wohl ein paar Effekte auf der Ebene des Unterbewußten: So verdichtet sich der Name bei vielen auf das englische Wort “do” ode “go”, was eine implizite call-to-action beinhaltet.  Oder sollen die “O”s unterbewusst als “Augen” wahrgenommen werden, die im schnellebigen Web unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen sollen? Schon in den 1970 / 80-ern wurde das Waschmittel “OMO” in der Marketingliteratur als gelungenes Beispiel für unterschwellige Botschaften zitiert. Die beiden “O”s konnten vom Gehirn als “Augen” und das große “M” als Nase und damit als abstrahiertes Gesicht interpretiert werden. Das wirkte wohl vor allem auf Plakaten gut, weil man beim Vorbeigehen das Gefühl hatte, das man “angesehen” wird. Somit zog das Plakat die Aufmerksam auf sich. Das war damals angesichts der begrenzten Kommunikationskanäle ein großer Vorteil.

Aber ob die magische Wirkung des “O”s so stark ist, dass wir die vielen Unternehmen gar nicht mehr auseinanderhalten können? Keine Ahnung. Vielleicht ist die Antwort in der Erotikliteratur zu finden: “Die Geschichte der O”   erschien im Jahr 1954. Der Roman ”übte auf die Entwicklung der erotischen Literatur großen Einfluss aus und ist einer der bekanntesten sadomasochistischen Romane der Welt” (Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_O).  Dieser gigantische Erfolg kam zustande, obwohl die Bedeutung des “O”  auch heute noch unklar ist. Noch heute wird z. B. auf Wikipedia über das “O” spekuliert: “…Der Name der Heldin ist verkürzt auf den einen Buchstaben O. Es gab viele Spekulationen, was der Buchstabe bedeuten könne. Es hieß, er sei eine Abkürzung für objet („Objekt“) oder orifice („Öffnung“) oder für Odile, den Vornamen einer guten Freundin der Autorin…” … 

 

Kategorie(n): Blog, Marketing

Marketing: Umgang mit Trittbrettfahrern

Jeder, der sich einmal auf das Abenteuer Neukundengewinnung eingelassen hat , kennt das Spiel: Man startet Marketing-Aktionen, gibt sich dabei viel Mühe, investiert viel Zeit und noch mehr Geld, um dann erst einmal dem Ergebnis der Marketingaktion entgegenzufiebern. Hoffnung regt sich, die ersten Reaktionen kommen oft schneller als erwartet. Man wundert sich schon über die schnellen „Zwischenerfolge“ … dann stellt man aber  fest, dass die Reaktion nicht von den Menschen kommt, von denen man sich eine Reaktion erhofft hat. Stattdessen kommt die schnellste Reaktion von Menschen, die sich überhaupt nicht für die vermarktete Leistung interessieren. Im Gegenteil: Sie wandeln die gestartete Marketingaktion in einen Anlass um, um ihre eigene Leistung anzubieten. „So eine Frechheit! Diese Leute hängen sich an meine Investition, um mich zu belästigen.“ So dachte ich darüber, früher zumindest….

Trittbrettfahrer

In der Tat erinnert diese Strategie an Trittbrettfahrer. Woran erkennt man sie? Zunächst einmal ist zu sagen, dass es die Marketingtrittbrettfahrer schon immer gab. So wie sich im Zuge der Digitalisierung neue Marketing-Disziplinen herausgebildet haben, gibt es auch neue Arten von “Trittbrettfahrern”. Hier ein kleiner Überblick inklusive einer groben Unterteilung zwischen “traditionelle” und “neuen” Formen von Trittbrettfahrertum:

 Traditionelle Trittbrettfahrer 

Trittbrett Messe: Der Klassiker bei Trittbrettfahrern ist der Messeauftritt! Ein gelungener Messauftritt kann sehr aufwändig sein. Ein großes Team arbeitet Tag und Nacht, der erste Messetag erinnert bezüglich Spannung und Koordinationsaufwand an eine Theaterpremiere. Das Messeteam  inklusive Messehostessen sind (noch) hochmotiviert und geben alles. Minütlich werden Visitenkarten erobert. In einem kurzen ruhigen Moment möchte man sich die “vielen Leads” näher zu Gemüte führen. Doch dann stellt man fest: Wenn man diese “Leads” verfolgen würde, wäre man schnell viel Geld los. Denn es handelt sich um Visitenkarten von Menschen, die den Messestand als Bühne benutzen, um einem ihre eigene Leistung zu verkaufen ….Ja, ja, jeder Besucher ist willkommen und Netzwerken ist (mehr denn je) ganz toll und wichtig, aber wenn man soviel Geld investiert wie in eine Messe, möchte man in erster Linie Interessenten für die eigenen Leistungen gewinnen.

 Trittbrett Print-Anzeigen: Messen sind für viele B2B-Marketingentscheider eine der seltenen Gelegenheiten, bei denen man “begleitende” Anzeigen schaltet darf. Anzeigen in (Fach)-Zeitschriften sind immer ein Spiel mit dem Adrenalin. Auch in Zeiten genauester Media-Planung spukt einem der alte Spruch von Henry Ford immer im Kopf herum, der sinngemäß so geht: ‘Ich weiß, dass eine Hälfte meiner Ausgaben für Werbung zum Fenster hinausgeworfenes Geld ist. Ich weiß aber nicht, welche Hälfte es ist’. Umso mehr freut man sich über direkte Reaktionen, wie z. B. ein Anruf: Aber auch hier gilt: Im Zusammenhang mit einer Anzeige ist die Wahrscheinlichkeit nicht gering, dass man Anrufe von Agenturen erhält. Statt Anzeigen zu schalten, wäre es doch besser, redaktionielle Beiträge zu platzieren.

Trittbrett Presseartikel: Na gut, redaktionelle Beiträge sollen also besser sein.  Also “buchen” wir redaktionelle Beiträge bzw. schaffen es, diese irgendwie mit Hilfe von einer PR-Agentur zu platzieren. Ein großer “redaktioneller Beitrag” erscheint und auch hier lässt der Anruf nicht lange auf sich warten: Diesmal ist es die Anzeigenabteilung der Zeitschrift, in welcher der redaktionelle Beitrag erschienen ist. Wäre es nicht schön, wenn man einen derartigen Beitrag nicht mit einer Anzeige “verstärken” würde? Aaaaaah, mir ist doch kürzlich erst erklärt worden, dass ein redaktioneller Beitrag “besser” ist als eine Anzeige.

 Trittbrett Direct Mailing (Print): Es wwerden tausende von Briefen versendet, bestens gestaltet und getextet. Es geht um “Response”! Der “Response” kommt als Brief:  “Sehr geehrte Damen und Herren, wir haben Ihren Brief erhalten…. vielen Dank auch. (Und nun zur Sache): Wir bieten Ihnen Unterstützung in Textarbeiten an….” Das gibt es doch gar nicht. Wie hat dieser Direktmarketing-Trittbrettfahrer meinen Brief erhalten? Wie konnte er so schnell reagieren? Arbeitet er mit dem Adress-Broker zusammen? Keine Ahnung, habe das nie geklärt.

  

Neue” Trittbrettfahrer

Die “neue Welt” verschont einen auch nicht mit den bekannten Trittbrettfahrer-Mechanismen: Die Frage, woher Trittbrettfahrer von der eigenen Marketingaktion Wind bekommen haben, stellt sich im Zeitalter des digitalen Marketings nicht. Teure Tracking-Tools verraten alles. Wer die nicht hat, hat immer noch Google. Und das ist auch schon eine ganze Menge. Hier  kurz die wichtigsten Trittbrettfahrer-Erscheinungsformen im digitalen Orbit:

Trittbrett SEA:  Man schaltet SEA (Search Engine Advertising) in Form von Google Adwords. Die Kampagne verfehlt ihre Wirkung nicht. Die erste Reaktion kommt mittlerweile von Google selbst. Sie bieten Schulungen an, wie man SEA-Kampagnen verbessern kann. Naja, wenigstens ist dieses Angebot weitgehend kostenlos. Die zweite Reaktion kommt dann von SEO-Spezialisten: “Wir haben gesehen, Sie schalten Anzeigen in Google! Das können Sie viel billiger haben.  Investieren Sie doch lieber in SEO (=Suchmaschinenoptimierung)…. 

Trittbrett SEO:   Also dann, lass uns halt SEO machen. Wer wollte nicht schon immer einmal bei Google auf Platz 1 sein? In der Regel wird Onsite und Offsite-Optimierung gemacht. Die Offsite-Optimierung umfasst u. a. diverse Eintragungen in reichweiten starken Web-Verzeichnissen unter pseudoredaktionellem Vorwand. Kennern verraten diese Engagements, das SEO betrieben wird. Eine gute Gelegenheit für eine TrittbrettfahreraktionSEO funktioniert heute besonders gut, wenn  man dies mit Social Media koppelt. Die Backlinks der sozialen Netzwerke verbessern die Ranks und haben als angenehmen Nebeneffekt die Sichtbarkeit in den einschlägigen sozialen Netzwerken….

Trittbrett Social Media:  Wer gedacht hat, Social Media hat irgendetwas mit “sozial” zu tun, der täuscht sich (zumindest in der Businesswelt). Es ist ein hart umkämpftes Marketingthema der letzten Jahre und alle wollen an diesem Trend irgendwie partizipieren. Der ursprüngliche Kommunikationsgedanke wird zunehmends von allen Seiten manipuliert. Dennoch sorgen die Netzwerkeffekte dafür, dass die Wirkungskette für Marketingaktionen vielschichtig und nicht linear steuerbar ist. Aber eines ist offensichtlich sehr wohl steuerbar: Auch hier trifft man mit seinen Aktionen auf  Trittbrettfahrer. Ein Anruf: “Wir haben gesehen, Sie sind in einschlägigen Netzwerken engagiert. Das ist alles schön und gut. Aber auch in der heutigen Zeit ist der persönliche Kontakt unverzichtbar. Buchen Sie doch für die nächste Marketing-Aktion lieber unser Call-Center“.  So, und damit wäre man wieder in der traditionellen Marketing- und Trittbrettfahrerwelt des Telemarketings, der Kreis schließt sich!

Wie soll man mit Trittbrettfahrern umgehen? Aus über einem Jahrzent Marketing-Erfahrung weiss ich eines: Die Erfolge der Marketing-Aktionen haben sich trotz Trittbrettfahrern langfristig eingestellt.

 Marketing und Trittbrettfahren gehört also irgendwie zusammen!

Deshalb ärgere ich mich heute überhaupt nicht mehr. Im Gegenteil: Wenn ich in meiner täglichen Marketing-Beratungspraxis bei Kunden Trittbrettfahrer-Frust registriere, dann rate ich zu einer positiven Herangehensweise:

1) Trittbrettfahrer als Vorboten des Erfolgs sehen: Es ist doch positive, dass man mit Marketingaktionen überhaut eine Reaktion erzielt hat. In Zeiten gesättigter Märkte ist es schon mal ein erster Schritt..

2) Von Trittbrettfahrern lernen: Man hat kostenlos erstes reales Feedback, wie die gestartete Aktion bei anderen Menschen eingeordnet wird (auch wenn die Motiviation der Kontaktaufnahme eingefärbt ist)

3) Mit Trittbrettfahrern anfreunden: Der Begriff “Trittbrettfahrer” klingt hier vielleicht etwas negativ. Deshalb möchte ich betonen, dass es sich häufig um sehr nette, offene, kontaktfreudige Menschen handelt, die den Kontakt suchen. Klar gibt es penetrante Ausnahmen. Aber in der Regel sind es sehr umgängliche Kollegen. Viele langjährige Kontakte haben sich aus Trittbrettfahrer-Aktionen ergeben….

Ein Tipp, falls dieser Blogbeitrag als Trittbrett verwendet werden soll:  Der Autor dieses Artikels scheint offensichtlich keine Ahnnung zu haben vom Zusammenspiel der diversen Marketing-Channnels. Wichtig ist doch das perfekte Zusammenspiel aller Kommunikationskanäle: Wäre das nicht ein freies Feld für eine 360-Grad-Marketing-Dienstleistung?  Nur zu: Wie gesagt, ich freue mich über jeden Trittbrettfahrer….

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Erleben Sie Liebe in einer neuen Dimension!

Wer sagt denn, dass es in unserer heutigen Zeit kalt und lieblos zugeht? Wer sich nach Liebe, Leben oder Leidenschaft sehnt, der muss nur den Fernseher einschalten. Schließlich ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass man auf Werbung trifft. Und die Werbung flutet uns immer mehr mit Liebe, Leben, Leidschaft.

バレンタイン

Hier ein Auszug:

  1. We love to entertain you (Pro7)
  2. Ich liebe es (McDonalds)
  3. Leistung aus Leidenschaft (Deutsche Bank)
  4. Wir lieben Fliegen (Condor)
  5. I love my Country (Kinder Country)
  6. Wir leben Autos (Opel)
  7. Wir lieben Lebensmittel (Edeka)
  8. Erleben Sie Bundesliga live (Sky)
  9. Erleben Sie Blend a med Frische 3D (Blend a med)
  10. Erleben Sie Nivea Q10 (Niveau)
  11. Erleben Sie das neue C Klasse Coupé (Mercedes)
  12. Erleben Sie Fernsehen in einer neuen Dimension (Samsung)
  13. We love Water (Gerberit, Anmerkung: Es geht um Toiletten…!)
  14. Erleben Sie gesund aussehendes Haar (Pantene Pro V)
  15. Erleben Sie den “falsche Wimpern Effekt” von L´Oréal Lash Architekt 4D Mascara (L´Oréal)

Ist das nicht großartig? Diese Liste enthält so viel Liebe und Leben in kompakter Form, das ist das reinster “L-ilixier”. Menschen, die unter zu wenig Liebe leiden oder das Leben wieder mehr spüren möchten, können sich mit Hife dieser Liste in Rekordzeit wieder aufrichten. Deshalb: Den Betreffenden einfach eine E-Mail (mit dem Link auf diesen Blogbeitrag) senden mit dem Betreff:  “Neu! Erleben Sie Liebe  in einer neuen Dimension (=eine primitive Liste)!” Nein, um Gottes Willen, war natürlich ein Scherz…

Ach ja, abschließend noch ein Tipp für Werbeagenturen, die sich einen Claim ausdenken sollen: Warum noch groß nachdenken?  Einfach (!) dem Kunden folgende 2 Varianten anbieten:

  • a) Ich liebe ….[bitte hier das betreffende Produkt eintragen]
  • b) Erleben Sie… [bitte hier das betreffende Produkt eintragen]

Fertig ist der Claim! Mehr ist offenbar nicht gewünscht. Und falls der Kunde doch mal kritisch nachfragt, dann kann man seine Bedenken mit Hilfe der emotionalen  Atombombe auslöschen: Damit meine ich die allgemein anerkannte Erkenntnis, dass man in Zeiten der Informationsflutung  nur über Emotionen kommunizieren kann. Offensichtlich ist es mit unserer Informationsüberflutung so schlimm bestellt, dass es besser ist, irgendetwas zu lieben bzw. zu erleben anstatt sich von der Konkurrenz abzuheben…

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Politiker im Netz: “Pirates of the Richday, Teil I”

Die Piratenpartei erzielte bei den Berliner Wahlen ein sensationelles Wahlergebnis. Der große Zuspruch hat viele überrascht. Es spricht einiges dafür, dass die Piratenpartei nicht nur aufgrund ihres Namens mit dem Kino-Blockbuster “Pirates of the Carribeans” vergleichbar sein wird  -  sie könnte auch eine ähnliche Erfolgsstory schreiben wir die Piratensaga aus Hollywood. Die Partei hat neben vielen “äußerlichen Unterscheidungsmerkmalen”  ein Erfolgsrezept, das die anderen Parteien längere Zeit ärgern könnte….

Pirates_of_the_Richday

Die Piratenpartei schaffte vergangenes Wochenende bei den Berliner Wahlen http://www.wahlen-berlin.de/ eine Sensation: Sie zieht mit über acht Prozent in den Landtag ein (mehr dazu: http://bit.ly/nTndH7 ). Der Erfolg hat viele überrascht. Im Nachhinein findet man schnell Gründe dafür; schließlich mangelt es der Piraten-Partei nicht an Unterscheidungsmerkmalen zu anderen Parteien. Schon der provokante Parteiname lädt dazu ein, sich bei der Berichterstattung bei der Abenteuerwelt der Piraten und Freibeuter zu bedienen. Es bieten sich unzählige Gelegenheiten für farbenfrohe Vergleiche, auf die die Presse (und auch Blogger Smilie: :-)) allzu gerne einsteigt.  Damit ist bereits ein erster Grund für die Differenzierung erklärt: Durch die vielen bildlichen Vergleiche ergibt sich ein neues “Lesegefühl”, wenn man Berichte über die Piratenpartei liest.  Obwohl es um das “trockene” Thema Politik geht,  klingen bereits die Überschriften der Berichte über die Piratenpartei abenteuerlich fremd. Aussehen und Auftreten der Akteure unterstreichen die Andersartigkeit dieser Partei.

Name, Aussehen, Piratenlogo sind zwar wichtige Merkmale, aber es handelt sich um äußerliches Beiwerk, das vom eigentlichen Erfolgsrezept der Partei ablenkt. Das Erfolgsrezept der Piraten könnte es in sich haben, aber könnte es sich in haben: Die Piratenpartei betont nicht das was im Parteiprogramm steht, sondern die Art und Weise, wie sie gemeinsam mit ihren Wählen die Probleme lösen möchte. Die Piratenpartei hat verstanden, wie Menschenmassen heutzutage über wichtige Themen kommunizieren wollen und setzt dieses Wissen konsequent um: Individuen suchen den direkten Austausch mit Gleichgesinnten und möchten gemeinsam eine optimale Lösung erarbeiten. Das Stichwort der Piraten heißt hierzu “liquid democracy”.

Es ist die gleiche Mechanik, die unter dem Stichwort “Social Media” die aktuellen Diskussionen im Bereich Unternehmenskommunikation maßgeblich bestimmt. Die Anhänger dieser Kommunikation glauben an die Weisheit der Massen (wisdom of the crowd) bzw. daran, dass mit den jetzigen digitalen Kommunikationsmitteln auch Menschen die Schwarmintelligenz  von Bienen oder Ameisen entwickeln können. Das Gedankengut ist nicht neu, viele Thesen wurden bereits vor über einem Jahrzehnt im Rahmen des Cluetrain Manifest http://www.cluetrain.com/auf-deutsch.html entwickelt. Das Cluetrain Manifest besteht i. W. aus 95 Thesen, die in der wilden Zeit der New Economy Ende der 1990er formuliert wurden. Viele dieser Thesen erreichen erst heute, d.h. über eine Dekade später eine breite Relevanz.

Wo soll da der Unterschied zu anderen Parteien sein? Andere Parteien betreiben doch auch Facebook-Sites, twittern und zeigen sich mit iPads im Bundestag, die sie während der Sitzungen stolz vor sich liegen haben. Nun: Diese Politiker haben vordergründig die Mittel zwar in der Hand, nutzen diese aber nur bis zu einer gewissen Grenze. Sie leben noch in der Welt der  One-to-Many -Kommunikation. Sie nutzen die  neuen digitalen Plattformen vor allem dafür, um ihre Einweg-Botschaften besser zu verbreiten. Diesen Einweg-Botschaften traut die neue Generation nicht mehr. Im Gegenteil: Im Ergebnis werden die alteingesessenen  Parteien trotz ihrer Medialisierung für ihren irgendwie hölzernen Umgang mit den neuen digitalen Medien belächelt. Ihr Verhalten erinnert an Unternehmen, die sich voll und ganz dem Thema “Social Media” widmen, dann aber alle Social Media Kanäle mit Einweg-Botschaften verstopfen. Die Piratenpartei geht diesbezüglich viel weiter als die alteingesessenen Parteien. Unter dem Stichwort “liquid democracy” sollen die Anhänger der Partei  besser denn je in die Lage versetzt werden, das Parteiprogramm und die Partei in einer Intensität selbst mitzugestalten.
In diesem Sinne verfügen die Piraten ein für die traditionellen Parteien schwer nachzuahmendes Alleinstellungsmerkmal. So könnte es passieren, dass die Piraten-Saga nach der gelungenen Premiere weitere erfolgreiche Fortsetzungen feiert. Ein erster Gradmesser könnten die bevorstehenden Wahlen in der Schweiz sein. Die Stimmung der Schweizer Piraten ist nach dem Wahlerfolg der Berliner ziemlich gut. Mehr dazu unter http://bit.ly/nITNHq.

Abschließend ein kritischer Gedanke: Ob die sogenannte „Schwarmintelligenz“ bzw. „wisdom of the crowd“ Politik verbessern kann, ist fraglich. Denn im Gegensatz zu den Vorbildern aus dem Tierreich, den Bienen und Ameisen, haben Menschen desöfteren bewiesen, dass sie in der Masse ganz und gar nicht intelligent handeln…

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Apple: Die Quadratur des Kreises

Ein prominenter ehemaliger Apple-Fan, der “zur Besinnung” gekommen ist, lässt in einem Spiegel Online Artikel ordentlich Dampf ab. Prompt bringt er damit Heerscharen von Apple-Jüngern auf die Barrikaden, welche die Apfel-Produkte entschlossen verteidigen. Der Streit dreht sich vorwiegend um Technologie und lenkt dabei vom Wesentlichen ab: Eigentlich geht es um Sushi….

Quadratur des Kreises

Der bekannte Journalist und Autor Hajo Schumacher (http://de.wikipedia.org/wiki/Hajo_Schumacher) hat wahrscheinlich gewusst, auf was er sich einlässt: Als Reaktion auf seinen Artikel auf Spiegel Online  http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,781811,00.html bekommt er exakt die Überzeugung der “unzähligen militante Fans” zu spüren, um die sich sein Artikel dreht.

Die meisten Posts auf diesen Artikel beschäftigen sich mit technologischen Sinn und Unsinn. Auch wenn ich selbst schon Ärger mit Apple-Produkten hatte (besser gesagt mit dem Umgang damit http://www.infociety-blog.com/?p=287) teile ich Schumachers umfangreiche technologische Kritik an Apple nicht. Trotzdem gefällt mir Schumachers Beitrag – vor allem unter dem Sushi-Aspekt. Schumacher schreibt: “Apple ist wie Sushi – einst exklusiv, heute Arschgeweih”.

Das ist wirklich so: Viele Käufer von Apple-Produkten  gehören mittlerweile zur sogenannten Later Majority. Das ändert aber nichts daran, dass auch sie das “Apple”-Gefühl in die Welt tragen und sich einer exklusiven Community zugehörig fühlen. Politiker sind hervorragende Vertreter dieser Gruppe; insofern finde ich die Bilder der “iPad-Politiker” (siehe Bildstrecke des entsprechenden Artikels mit Merkel, von der Leyen usw.) zutreffend.

Apple hat auch hier Außergewöhnliches vollbracht: Über Jahre hinweg eine Mehrheits-Community aufzubauen, die sich aber wie eine Minderheit benimmt. Rege wird vom Abgrenzungs-Privileg der Minderheit Gebrauch gemacht. Zu diesem Privileg gehört es eben auch, sich den “Anders-Gläubigen” überlegen zu fühlen. Das ist sozusagen die Quadratur des Kreises. Das war bei dem von Schumacher als Vergleich angeführten Thema Sushi ähnlich. Ich verstehe den Vergleich nicht wörtlich, sondern sehe Sushi als Symbol für den seit Jahrzehnten dauernden Siegeszug der Sushi-Asia-Zitronengras-Ingwer-Yoga-Lounge-Fraktion. Auch hier gibt es viele Vertreter dieser “vermeintlich besonderen” Gruppe, die sich der “vermeintlich gewöhnlichen” Gruppe überlegen fühlen. Ich las Stellenanzeigen, die mit originellen Headlines wie  “Lieber Sushi am Schreibtisch statt Schweinebraten am Biertisch?” um die Young Professionals warben.

Ein Ende der Apfel-Vorherrschaft könnte in Sicht sein: Wie so oft, könnte sie durch die Jugend eingeleitet werden:  Neulich in der U-Bahn stand eine Gruppe von „coolen“ Jugendlichen neben mir. Einer von Ihnen wollte telefonieren und holte das iPhone raus. Alle anderen lachten ihn lauthals aus: “Hahaaaa, schaut Euch den an! Ein iPhone-Proll (Anmerkung: „Proll“ = “Prolet”Smilie: ;)….”

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Lahm(e) Brand-Offensive

Oje, aus heiterem Himmel kam es: Der Kapitän unserer Fußball Nationalelf Phillipp Lahm hat ein Buch geschrieben. Die gesamte Fußball-Welt ist seit mehreren Tagen in großer Aufregung, obwohl es morgen erst erscheint.  In dem Buch kommen einige Weggefährten wohl schlecht weg. Deshalb rätselt die Fußballwelt vor allem über eine Frage: Warum um Gottes Willen macht Phillipp Lahm das? Geld oder Geltung? Beides müsste er doch genügend haben….  aus Marketingsicht ist die Sachlage eindeutig: Lahm arbeitet an seiner ganz persönlichen ”Marke” bzw. englisch “Brand”.

 Branding

Alles strebt nach Marke. In der Wirtschaft kennen wir das schon lange von den Anbietern von Massenware, den sog. Consumer Brands wie z. B. Coca Cola. Seit ca. einem Jahrzehnt springen auch die B2B-Anbieter (z. B. Hersteller von Investitionsgütern) auf diesen Trend auf. Aber der Zwang zur Marke hat längst die Produkt und Unternehmenssphäre verlassen: Länder, Städte und Komunen streben nach Marke . Vielleicht gibt es bald  in Marken-Ämter und man erhält Briefe vom Finanzamt, die unter dem bayerischen Wappen (=Markenlogo) einen netten Claim tragen im Sinne von “Wir lieben es, Ihr Geld zu kassieren”. Der schon lange bekannte Slogan “Die Polizei, Dein Freund und Helfer trägt dieses Gedankengut. 

Der Trend zur Marke hat sich auch von Organisationen auf Individuen übertragen.  Zur Klarstellung: Schon immer waren sich prominente Personenkreise der Bedeutung des Faktors “Image” bewusst und wussten sich in geeigneten Momenten entsprechend zu inszenieren. Aber relativ neu ist deren planmäßige Handlungsweise, die den langfristigen Aufbau bzw. Pflege der eigenen Marke zum Ziel hat. Musiker, Schauspieler, aber auch immer mehr Politiker feilen über Jahre hinweg an Ihrer persönlichen “Marke”.  Und in Zukunft auch immer mehr normale Sportler, wie der scheinbar unscheinbare Fußballer wie Phillipp Lahm. Vieles spricht dafür, dass langfristige Markenpolitik (“Branding”Smilie: ;) der wahre Motivationstreiber für Phillipp Lahms Buch ist. Die Maßnanahme reiht sich gut in Lahms Branding-Aktionen der letzten Jahre ein: Weg vom lahmen Image eines braven Jungen hin zu einem dynamischen Image eines “Opinion Leader”, der Klartext redet.

Welche Rolle Web 2.0 und Social Media bei dem Wandel spielen, bleibt  unerheblich- solange die Anzahl der Facebook-Freunde der Spieler nicht die Aufstellung der Fußballteams bestimmt…

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Online-Kommunikation: Redselige Top-Kanzleien

„Communicate or Die“! Die Devise gilt in vielen Branchen schon lange und wird immer häufiger auf Kanzleien übertragen. Gut sichtbar wird dieser Trend an der Web-Kommunikation der Branchenführer: Es wird kommuniziert, was das Zeug hält.

Justitia 2.0

Als sich vor der Jahrtausendwende die meisten Unternehmen schon “ins Internet” wagten, standen viele Kanzleien dieser Entwicklung skeptisch gegenüber. Vorbehalte gegen das Medium („…ist es überhaupt ein seriöses Medium?“) und gegen aktive Kommunikation ließen sie anfangs zögern. Früher oder später folgten sie dann doch ausnahmslos, meist mit sogenannten „digitalen Visitenkarten“.

Im Laufe der Zeit freundeten sich Kanzleien mit den stetigen Weiterentwicklungen im Web an, investierten in professionelle Web-Auftritte und bauten diese kontinuierlich aus. Doch bei aller Offenheit gegenüber dem Web – aktuell droht die Zeit wieder mit neuen großen Herausforderungen für Kanzleien: Die Errungenschaften der digitalen Medien aus jüngster Zeit führen in ihrer Summe zu derart gravierenden Änderungen im Kommunikationsverhalten von Unternehmen, dass man von einer neuen Dimension sprechen kann. Die Nutzung der neuen Möglichkeiten erfordert einen weiteren Schritt in Richtung aktive Kommunikation und Offenheit. Insbesondere der offene Charakter von Social Media ist nicht einfach für Unternehmen, die sich lieber dezent bedeckt halten und auf Diskretion äußersten Wert legen. Da diese Werte für renommierte Kanzleien unverzichtbar sind, stehen Kanzleien wieder vor einer großen Herausforderung.

In einer Studie untersuchte Dallorey | Digital Strategies wie die Branche mit diesen Herausforderungen umgeht. Dafür wurde die  Online Kommunikation der Kanzleien untersucht, die nach Branchengesichtspunkten (Juve 2010) als „Top“ gelten. Der JUVE Verlag für juristische Information erhebt jährlich die 50 besten Wirtschaftskanzleien.  http://www.juve.de/handbuch/de/2010/ranking/2#ranking-12

Sind die Top-Kanzleien auch bei der Web-Kommunikation “top”?

Antwort: Ja! Es gibt zwar in Einzeldisziplinen Nachholbedarf und viel Potenzial bei der Vernetzung der einzelnen Kommunikationswege. Aber im Großen und Ganzen werden alle Instrumente genutzt und viel kommuniziert.  Wer sich näher für die Studie interessiert kann sie bei Dallorey | Digital Strategies (www.dallorey.com) anfordern. An dieser Stelle die 5 wichtigsten Ergebnisse in Thesenform:

(1)  Ein gut ausgebauter Pressebereich ist auf den Websites bei den Top 50 Kanzleien fast durchgehend zu finden. Im Zuge der Veröffentlichungen publizieren fast alle Kanzleien Informationen über Fälle und nennen auch die Namen der betreuten Mandanten. Auffällig ist aber ein niedriger Anteil an Online-Veröffentlichungen.

(2)  Obwohl Videos im Rahmen von Web-Präsenzen einen Boom erleben, spielt diese Darstellungsform bei den Top 50 Kanzleien eine zu vernachlässigende Rolle.

(3)  Auffällig ist die starke Präsenz bei (Fremd-) Blogs. Bis auf wenige Ausnahmen sind alle Kanzleien in Blogs vertreten. Allerdings werden selten eigene Corporate Blogs betrieben.

(4)  Die Engagements in sozialen Netzwerken erfolgt erwartungsgemäß: Die größte Präsenz in Deutschland ist bei XING, aus internationaler Sicht bei LinkedIn, Twitter spielt eine geringe, aber beachtliche Rolle und knapp die Hälfte engagiert sich auch in Facebook.

(5)  Das Thema Google kann aus externer Sicht nur vage bewertet werden. Es gibt bei diversen Kanzleien “Indizien”, dass Suchmaschinenoptimierung (SEO) betrieben wird. Allerdings wird SEM (Suchmaschinenmarketing) so auffällig gemieden, dass man hieraus schließen kann, dass die Top Kanzleien dieser Art von Kommunikation kritisch gegenüberstehen.

Bezüglich der provokanten Maxime “Communicate or Die” scheinen sich die Top-Kanzleien schon längst für die erste Alternative entschieden zu haben…

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Interaktivdienstleister: Gefährlicher Spaß

Falls manch Web-Developer, 3D-Designer, Multimediaspezialist, Gamedesigner, Social Media Expert oder sonstiger Agenturmitarbeiter manchmal das Gefühl hat, er bekomme für seine Arbeit zu wenig Geld, dann liegt er damit ziemlich sicher richtig. Seit gestern ist es amtlich: Die Interaktivbranche verdient immer weniger. Dieser Trend wird aus meiner Sicht anhalten, solange die zentrale Ursache für dieses Problem existiert. Diese liegt meiner langjährigen Beobachtung nach in der eigentlichen Stärke dieser Branche: Ich denke an den enorm hohen Spaßfaktor. Ein widersprüchlicher, gefährlicher und gemeiner Mechanismus für diese Art von Dienstleistungen.

 extreme mountain bike jumper

Gestern veröffentlichte  die iBusiness (www.iBusiness.de) – eines der wichtigsten  Sprachrohre der Interaktivbranche – eine Studie aus der hervorgeht, dass die Interaktivbranche  weniger “verdient” als früher (http://www.ibusiness.de/aktuell/db/815052jg.912479jg.html).  Herausgeber und Future Evangelist Joachim Graf fragte in einem Netzwerk nach Meinungen, woran das liegen kann. Da mich das Thema schon seit Jahren bewegt, hat mich seine Aufforderung zu diesem Blog-Beitrag angeregt.

Woran liegt es, dass die Interaktivbranche weniger verdient?

Zunächst etwas “Betriebswirtschaft”: Wenn festgestellt wird, dass jemand weniger “verdient”, dann beinhaltet diese Aussage immer 2 Komponenten: Die Aufwands-Komponente und die Erlös-Komponente.  Das Problem der Interaktiv-Branche liegt aus meiner Sicht ganz klar auf der Erlös-Seite. Letztere wird wesentlich bestimmt durch den Preis. Nehmen wir an, es gibt einen am Markt durchsetzbaren Preis P. Hier sind schon alle positiv preisbildenden Faktoren enthalten, d.h. Qualität der Arbeit, Verhandlungsstärke, Kraft der “Marke” usw. Für meine Überlegungen betrachte ich nur die Faktoren, die den Preis “drücken”. Sie lassen sich im vorliegenden Fall in einfache, nicht betriebswirtschaftliche Größen transformieren. Es sind:

  1. “Druck “
  2. “Hoffnung”
  3. “Spaß”
  4. “Kein Schutz”

 Zu 1:  “Druck”:  Eine klare Sache ist der Wettbewerbsdruck: Je mehr Wettbewerber sich um einen Auftrag bemühen, desto stärker der Preiskampf.  Eine andere Sache ist der individuelle Druck des Anbieters: Je höher jemanden “das Wasser bis zum Hals steht”, desto eher ist dieser bereit, für seine Arbeit niedrige Preise zu akzeptieren. All diese Aspekte treffen bei Dienstleistern der digitalen Branchen in besonderem Maße zu. Auftraggeber wissen das zu nutzen: Sie holen schon bei geringen Budgets mehrere Angebote ein. Sie betreiben selbst bei kleinen Anlässen den Aufwand für einen Pitch. Sie vergleichen Äpfel mit Birnen, indem sie z. B. IT-Studenten gegen gestandene Agenturen antreten lassen und dann eine Preisdiskussion beginnen.

 Zu 2:  “Hoffnung”:  Ein  ”Preis-Opfer” wird oft in Kauf genommen, wenn man sich von der Zukunft bessere Zeiten (d.h. in diesem Fall bessere Preise erhofft). In der Interaktivbranche ist es durchaus legitim, auf Zukunft zu setzen. Schließlich werden die Web-Auftritte und digitalen Maßnahmenpakete immer wichtiger im Marketingmix der Auftraggeber. Nach dem Motto: “Und denken Sie daran, lieber Geschäftsführer der Internetagentur ‘XY’: Wenn Sie uns die Website jetzt für den günstigen Preis machen, dann haben Sie auf Jahre hinweg Arbeit, weil wir ja im Web ständig etwas von Ihnen brauchen werden…” Wer sich auf diese Argumentation einlässt, hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht! Viele Auftraggeber erkennen den Baustein “Hoffnung” und bauen den Aspekt -neutral gesagt – in die Preisargumentation ein. Nicht neutral gesagt heißt das: Sie bauen weiteren Preisdruck auf.

 Zu 3:  “Kein Schutz”:   Alle Berufe der Interaktivbranche sind gesetzlich ungeschützt. Ohne entsprechende Ausbildung darf sich niemand einfach “Journalist” oder “Steuerberater” nennen, “Webdesigner” oder “3D-Artist” kann jeder sein, der sich dazu berufen fühlt. Gut, das ist erst einmal nicht unbedingt typisch für die Interaktivbranche. Derartige (gesetzlich ungeschützte) Berufe gibt es viele. Aber viele davon sind durch eine langjährige Tradition faktisch geschützt. Handwerker sind ein gutes Beispiel. Sie haben durch ihre (teils Jahrhunderte alte) Tradition eine “Distanz” zu potenziellen Nachfragern aufgebaut.  Dies erzeugt ein Selbstverständnis, das die “Mitglieder” dieser Berufe schützt und den potenziellen Kunden kollektiven Respekt einflößt.

Zu 4) “Spaß”: Der schwerwiegendste Faktor ist aus meiner Sicht der hohe Spaßfaktor der digitalen Branche: Es macht halt den Menschen viel mehr Spaß, einen Animationsfilm zu erstellen, eine Website zu designen, eine ”Social Media”-Kampagne aufzusetzen, Facebook-Seiten zu kreieren, Filme zu cutten oder am allerschlimmsten: Ein Game zu programmieren! Manche würden dafür töten, geschweige denn einmal ein paar Wochen kostenlos im Keller inklusive Liefer-Pizza-Ernährungsplan arbeiten. Wo ist das Problem, wenn die Arbeit Spaß macht? Gar keines! Wenn Arbeit Spaß macht, ist es das größte Geschenk auf Erden. Aber für den zu erzielenden Preis kann sich dieser Umstand negativ auswirken. Je höher der Spaßfaktor, desto  höher die “Entschädigung” für einen schlechteren Preis. Oder, um es mit einem Sprichwort zu beschreiben: “Es ist leicht, einen Frosch zu überreden, ins Wasser zu springen!”  Der hohe Spaßfaktor führt auch zu einer positiven Darstellung der digitalen Dienstleistungsberufe in der Öffentlichkeit.  Die Berufe werden in den Medien als “hip” dargestellt.  Hierzu muss man nur verfolgen, welchen Berufen die Darsteller in den Daily Soaps angehören. Irgendwie werden die Berufe in den digitalen Branchen als sexy und erstrebenswert dargestellt. Potenzielle Auftraggeber spielen auch diesen Faktor routiniert aus. So argumentieren sie gegenüber Dienstleistern: “Bedenken Sie doch, was es für eine unglaubliche Referenz für Sie ist, wenn Ihr cooler Animationsfilm durch unser göttliches Logo geadelt wird. Und denken Sie an den Spaß, den Sie mit unserem jugendlichen Marketing-Team haben werden! Da kann man doch so ein “Filmchen” mal umsonst machen! Das leuchtet Ihnen doch sicher ein oder?” 

Diese 4 Faktoren (insbesondere der letzte) führen bei den einzelnen Marktteilnehmern der Interaktivbranche für eine totale “Flexibilität” der Preise. Das untere Ende der Flexibilitäts-Bandbreite kann desöfteren die Null-Linie sein. Das Zusammenwirken dieser Effekte führt in der Summe dazu, dass Interaktivdienstleister am Markt schlechtere Preise erzielen und damit weniger verdienen.

Lange Rede, kurzer Sinn:  Ich gehe jede Wette ein, dass es eher gelingt, einen jungen Webdesigner zu einem kostenlosen Animationsfilm zu überreden als einen Fliesenleger dazu zu bringen, einen kleinen Raum kostenlos zu verlegen….

 

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Karfreibad

Das außergewönlich warme Osterwetter war einer Münchener Lokalzeitung (“AZ”Smilie: ;) wieder einmal die Titelseite wert. “Karfreibad” las man in großen Lettern.  Wie soll man mit diesen Rekordmeldungen in Zeiten der Klimaerwärmung umgehen?

closeup of female breasts wearing a bra and a sexy dress

So sehr das Thema “Klimaerwärmung” viele Menschen besorgt, so sehr ist es für die Medien ein Quell steter Freude. Ängste lassen sich über Medien gut schüren, weil sie eine Ur-Emotion des Menschen sind. Da es sich auch noch um ein Thema handelt, dass seit vielen Jahren viel Diskussionsstoff liefert, werden immer wieder neue Schlagzeilen generiert. Aber: Wie passt es zusammen, dass die selben Zeitungen und Sender mit ihren Wetter-Fröschen  à la Bernd Wettervogel, Claudia Kleinert oder früher auch Jörg Kachelmann Temperatur-Rekorde präsentieren wie sportliche Rekorde? Gerade diese Menschen werden als ausgewiesene Experten für das Wetter inszeniert.  Wenn “Experten” ohne eine einzige Sorgenfalte darüber berichten, dass es wieder einmal der “heißeste 23.April seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen” ist, 2 Monate später ist es dann der ”heißeste 10. Mai seit 120 Jahren” usw…, wie weit ist es dann her mit den Berichten über Klimaerwärmung ihrer Brötchengeber?  Was stimmt den nun? Es gibt 3 Möglichkeiten:

1) Verschwörungs-These: Die Medien uns ihre Wetter-Experten wissen es schon lange: Es gibt gar keine Klimaerwärmung. Sie wird nur immer wieder aus der Schublade geholt, wenn es keine anderen Katastrophen gibt. Ähnlich wie die Schweinegrippe. Das könnte die ausgelassene Berichterstattung über Temperaturrekorde erklären.

2) Arbeitgeber-These: Es gibt den alten Spruch “Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing”.  Wenn z. B. die Menschen nach einem langen Winter nach Sonne lechzen, dann will jeder Sender diese Emotionswelle reiten und weiter befeuern. Somit gilt die Devise: Wenn es im Februar  wieder einmal 25 Grad hat, dürfen die Wetter-Experten den Menschen diesen “tollen” Tag nicht mit kritischen Gedanken über die Klimaerwärmung vermiesen. Stattdessen sollen sie lieber Tipps über geöffnete Biergärten geben oder gleich Grilltips verbreiten.

3) Blender-These: Niemand weiß so richtig Bescheid, ob es eine Klima-Erwärmung wirklich gibt . Im Gegensatz zu der Berichterstattung wissen die Medien aber. Solange das so ist, erfreuen sie sich an dem komfortablen Umstand, dass sie uns bezüglich des Wetters mit beiden Emotionen (Angst und Freude) versorgen können.  Es wird die Emotion bedient, die zum gegebenen Zeitpunkt gerade erfolgsversprechender (z. B. für die Einschaltquote) ist. 

Welche der Möglichkeiten zutrifft, weiß ich nicht. Vielleicht fällt es mir im Biergarten ein, wo ich heute nach dem Büro hingehe. Es ist der 26.04.2011 und es hat in München bei tollem Sonnenschein bescheidene 19 Grad.  Ein Tag, an dem der in diesem Blog-Beitrag beschriebene Widerspruch keine Relevanz hat. Aus meiner Sicht ein wunderschöner Tag….

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Entgangene Anrufe im digitalen Zeitalter

“Ich habe leider vergeblich versucht Dich zu erreichen!” Nicht wenige Menschen benutzen diesen Satz als Ausrede in Fällen, in  denen sie jemanden eben nicht – oder nur halbherzig – erreichen wollten. Erstaunlich ist, dass manche Menschen diese Ausrede auch im Zeitalter digitaler Kommunikationsmittel benutzen.

can telephones

Wenn man jemanden wirklich erreichen will, dann hat man in der heutigen Zeit keine Ausreden mehr. Telefon, SMS, E-Mail, soziale Netzwerke – an Möglichkeiten mangelt es nicht. Allen ist gemeinsam, dass alle (Nicht-) Aktionen protokolliert werden. Versuche hinterlassen also immer Spuren. Gibt es diese nicht, fand kein Versuch statt. Bei E-Mails ist es klar, außer die E-Mail bleibt tatsächlich mal “hängen”. Aber auch das findet man mit einem Anruf beim Provider meist schnell heraus. Auch mit dem Telefon hinterlässt man Spuren, wenn man Versuche unternimmt: Entgangene Anrufe, angenommene Anrufe, Anrufe wenn besetzt war. Wenn also jemand diese Ausrede benutzt, ist es schon eine starke Beleidigung der Intelligenz des Gegenübers.

Dennoch muss ich diesen Satz manchmal ertragen: “Aaah, ich habe schon versucht Dich zu erreichen…”. Wenn ich dann weder eine E-Mail sehe, eine SMS finde oder in entgangenen Anrufen (auch Rufnummer “unbekannt” wird festgehalten) auf Handy oder Festnetz nichts protokolliert ist, dann ist doch etwas faul. Das bringt mich wirklich auf die Palme!  In diesem Zusammenhang fällt mir ein Spruch meines Großvaters ein: Er wollte auf dem Markt Gemüse kaufen, wobei ihn der Verkäufer offensichtlich beim Wiegen der Ware “übers Ohr hauen” wollte. Mein Opa bemerkte es und beschimpfte dem Verkäufer: “OK, jetzt bin ich stinksauer! Aber nicht, weil Du mich betrügen wolltest, sondern weil Du denkst, dass ich Deinen Schwindel nicht bemerke!”

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